Helfen, wo Hilfe nötig ist

Wir Menschen können unser Leben nicht vorausbestimmen. Vieles geschieht, ohne dass wir Einfluss darauf haben. Auch für die Menschen, die heute auf Pflege angewiesen sind, lief häufig alles glatt – bis zu dem Tag, an dem sie pflegebedürftig wurden.
Viele Pflegebedürftige und ihre Familien mussten von einem Tag auf den anderen die großen Belastungen tragen, die mit der Pflege verbunden sind –mit allen Folgen. Wer einen Menschen pflegt, geht in dieser Aufgabe häufig ganz und gar auf. Dies kann bis zur Überforderung gehen. Zudem erschöpft die Pflege häufig auch die finanziellen Möglichkeiten. Versichert gegen den Fall der Fälle waren vor Einführung der Pflegeversicherung nur wenige.
Wie groß das Problem der Pflegebedürftigkeit ist, verdeutlichen einige Zahlen: Heute sind gut 2,2 Millionen Menschen in der Bundesrepublik ständig auf Pflege angewiesen – eine Zahl, die der Einwohnerzahl von Hamburg entspricht. Rund 0,71 Mio. Pflegebedürftige leben in Heimen. Die übrigen rund 1,46 Millionen Pflegebedürftigenwerden zu Hause versorgt. Familienangehörige, Nachbarn, ehrenamtliche Helfer und hauptberufliche Pflegekräfte kümmern sich um sie. Diese hunderttausende Pflegerinnen und Pfleger leisten Tag für Tag einen anerkennungswürdigen und häufig aufopferungsvollen Dienst für diejenigen, die sich selbst nicht helfen können.

 

Was müssen Sie tun?

 

Bei der Versicherungspflicht gilt grundsätzlich: „Pflegeversicherung folgt Krankenversicherung. “Dabei spielt es keine Rolle, ob Sie der Gesetzlichen Krankenversicherung als Pflichtversicherter, Familienversicherter, Rentner oder als freiwilliges Mitglied angehören – Sie sind automatisch auch in der sozialen Pflegeversicherung versichert.

Freiwillige Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherung haben die Möglichkeit, sich von der Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung befreien zu lassen. Dem Antragmuss ein Nachweis über den Abschluss eines gleichwertigen Vertrages bei einem privaten Pflegeversicherungsunternehmen beigefügt werden. Der Antrag ist bei der Pflegekasse innerhalb von drei Monaten nach Beginn der freiwilligen Mitgliedschaft zu stellen.

Alle privat Krankenversichertenmüssen seit dem1. Januar 1995 eine private Pflegeversicherung abschließen. Sollten sie später einmal in der sozialen Pflegeversicherung versicherungspflichtig werden, können sie ihren privaten Vertrag mit Wirkung vom Eintritt der Versicherungspflicht an kündigen.

Die private Pflegeversicherung muss gewährleisten, dass ihre Leistungen denen der sozialen Pflegeversicherung gleichwertig sind. Auch für Familien und ältere Versicherte muss die private Pflegeversicherung angemessene Bedingungen und Prämien anbieten.

Auch Beamte sind verpflichtet, eine private Pflegeversicherung abzuschließen – es sei denn, sie gehören der Gesetzlichen Krankenversicherung an. Dabei handelt es sich umeine Restkostenversicherung, die die Beihilfe ergänzt.

 

 

Leistungen/Voraussetzungen

 

Durch Ihre Beitragszahlungen erwerben Sie als Versicherter einen Rechtsanspruch darauf, dass Sie Hilfe erhalten, wenn Sie einmal pflegebedürftig werden. Dabei spielt Ihre wirtschaftliche Lage keine Rolle.

 

Was ist Pflegebedürftigkeit im Sinne der Pflegeversicherung?

Dies ist genau festgelegt: Wer bei den gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen des täglichen Lebens dauerhaft, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße auf Hilfe angewiesen ist, gilt als pflegebedürftig. Die Feststellung der Pflegebedürftigkeit erstreckt sich auf vier Bereiche: die Körperpflege, die Ernährung, die Mobilität und die hauswirtschaftliche Versorgung.

 

Die Hilfeleistung besteht darin, einen anderen Menschen bei den Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens zu unterstützen, die Verrichtungen ganz oder teilweise zu übernehmen oder ihn dabei zu beaufsichtigen und anzuleiten.

Ziel der Hilfe ist es, soweit wie möglich die eigenständige Übernahme der Verrichtungen durch die pflegebedürftige Person zu erreichen.

 

 

Gewöhnliche und regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens sind:

1.       im Bereich der Körperpflege das Waschen, Duschen, Baden, die Zahnpflege, das Kämmen, Rasieren, die Darm- oder Blasenentleerung,

2.       im Bereich der Ernährung das mundgerechte Zubereiten oder die Aufnahme der Nahrung,

3.       im Bereich der Mobilität das selbstständige Aufstehen und Zubettgehen, An- und Auskleiden, Gehen, Stehen, Treppensteigen oder das Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung,

4.       im Bereich der hauswirtschaftlichen Versorgung das Einkaufen, Kochen, Reinigen der Wohnung, Spülen, Wechseln und Waschen der Wäsche und Kleidung oder das Beheizen der Wohnung.

 

 

Für die Leistungsgewährung werden die pflegebedürftigen Personen einer der folgenden drei Pflegestufen zugeordnet:

 

1.       Pflegebedürftige der Pflegestufe I sind erheblich pflegebedürftig: Sie benötigen mindestens einmal am Tag Hilfe bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen und zusätzlichmehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.

2.       Pflegebedürftige der Pflegestufe II sind schwer pflegebedürftig: Sie benötigen mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten Hilfe bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität und zusätzlichmehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.

3.       Pflegebedürftige der Pflegestufe III sind schwerstpflegebedürftig: Sie benötigen täglich rund um die Uhr, auch nachts, Hilfe bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität und zusätzlichmehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung.

 

Der Zeitaufwand, den pflegende Angehörige oder eine andere nicht als Pflegekraft ausgebildete Pflegeperson

wöchentlich im Tagesdurchschnitt für die Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung dafür erbringen, muss in der Pflegestufe I mindestens 90Minuten betragen, wobei auf die Grundpflegemehr als 45Minuten entfallen müssen.

Für die Anerkennung der Pflegestufe II muss dieser Hilfebedarf mindestens drei Stunden betragen, wobei hier mindestens zwei Stunden auf die Grundpflege entfallen müssen. In der Pflegestufe III muss der Zeitbedarf für diese Leistungen mindestens fünf Stunden betragen; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens vier Stunden entfallen.

 

Welcher der drei Stufen pflegebedürftige Kinder zugeordnet werden, richtet sich danach, wie viel zusätzliche Hilfe sie gegenüber einem gleichaltrigen gesunden Kind benötigen.

Ob und in welchem Umfang ein Mensch pflegebedürftig ist, wird im Rahmen einer Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung festgestellt. Hierzu führt dieser eine Untersuchung des Pflegebedürftigen in dessen Wohnbereich durch.

 

 

Ambulante oder stationäre Pflege

 

Die Leistungen der Pflegeversicherung richten sich nach der Pflegestufe und danach, ob jemand ambulant oder stationär gepflegt werden muss. Dabei gelten zwei Grundsätze: „Prävention (Vorsorge) und Rehabilitation (alle Maßnahmen, die helfen, Pflegebedürftigkeit zu überwinden, zumindern sowie eine Verschlimmerung zu verhindern) vor Pflege“ und „ambulante Pflege vor stationärer Pflege“.

Die Pflegeversicherung gewährt Leistungen bei häuslicher Pflege seit 1. April 1995, bei dauernder Pflege im Heim seit 1. Juli 1996.

 

 

 

Leistungen bei häuslicher Pflege ab 01.07.2008

 

Stufe I

Stufe II

Stufe III

Pflegegeldmonatlich

215 EUR

420 EUR

675 EUR

Pflegesachleistungen monatlich bis zu

420 EUR

980 EUR

1.470 EUR

- in besonderen Härtefällen bis zu Urlaubs- und

Verhinderungspflege für bis zu vier Wochen im Jahr

(Voraussetzung: vorherige 6-monatige Pflege)

 

 

 

1.918 EUR

a) bei erwerbsmäßiger Verhinderungspflege bis zu

unabhängig von der Pflegestufe

1.470 EUR

1.470 EUR

1.470 EUR

b) bei Pflege durch nicht erwerbsmäßig tätige Familienangehörige

215 EUR

420 EUR

675 EUR

 

ggf. bei nachgewiesenen Aufwendungen

der Pflegeperson bis zu

unabhängig von der Pflegestufe

 

1.470 EUR

 

1.470 EUR

 

1.470 EUR

Tages- und Nachtpflege in einer teilstationären

Vertragseinrichtung je nach Pflegestufemonatlich bis zu

 

420 EUR

 

980 EUR

 

1.470 EUR

Kurzzeitpflege für bis zu vier Wochen im Jahr

in einer vollstationären Einrichtung bis zu

unabhängig von der Pflegestufe

 

1.470 EUR

 

1.470 EUR

 

1.470 EUR

Ergänzende Leistungen für Versicherte mit

erhebliche mallgemeinen Betreuungsbedarf jährlich bis zu

 

1.200 EUR

 

1.200 EUR

 

1.200 EUR

oder bis zu

2.400 EUR

2.400 EUR

2.400 EUR

Leistungen bei vollstationärer Pflege je nach Pflegestufe

monatlich pauschal

 

1.023 EUR

 

1.279 EUR

 

1.470 EUR

- in besonderen Härtefällen

1.750 EUR

1.750 EUR

1.750 EUR

 

 

 

 

Die ambulante Pflege

 

Nach wie vor ist die Familie der „größte Pflegedienst der Nation“: Die meisten der pflegebedürftigen Menschen, die zu Hause leben, werden von Familienangehörigen versorgt. Und das ist gut so, denn: Wer pflegebedürftig ist, möchte in der Regel so lange wie möglich in seiner vertrauten Umgebung gemeinsam mit seinen Angehörigen leben. Deshalb muss häusliche Pflege Vorrang haben vor einer stationären Versorgung. Aus diesem Grund legt das Gesetz seinen Schwerpunkt auf die Leistungen, die die Bedingungen für die häusliche Pflege verbessern und die Pflegenden entlasten.

 

Die Höhe der häuslichen Pflegeleistungen richtet sich nach der jeweiligen Pflegestufe. Der Pflegebedürftige hat ein Wahlrecht zwischen der Sachleistung (Pflegeeinsätze durch einen Vertragspartner der Pflegekasse, z.B. Sozialstation oder ambulanter Pflegedienst) und der Geldleistung (mit der der Pflegebedürftige die erforderliche Pflege in geeigneter Weise selbst sicherstellt, z.B. durch Angehörige). Auch eine Kombination von Sach- und Geldleistungen ist möglich. Die Hilfen können mithin so gestaltet werden, wie sie den persönlichen Bedürfnissen des Pflegebedürftigen entsprechen. Mehrere Pflegebedürftige, insbesondere in neuen Wohnformen, können ihre Sachleistungsansprüche auch zusammenlegen ("Poolen") und dadurch entstehende Effizienzgewinne insbesondere für Betreuungsleistungen zugunsten der Poolteilnehmer nutzen.

 

 

Als weitere Leistungen der Pflegeversicherung sind vorgesehen:

·          Pflegehilfsmittel (z.B. Pflegebett),

·          Zuschüsse zum pflegebedingten Umbau der Wohnung bis zu 2.557 EUR je Maßnahme unter Berücksichtigung eines angemessenen Eigenanteils, wenn andere Finanzierungsmöglichkeiten ausscheiden,

·          unentgeltliche Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen.

 

In der privaten Pflege-Pflichtversicherung gibt es keine Sachleistungen, sondern nur Geldleistungen. An Stelle der Sachleistungen steht eine der Höhe nach gleiche Kostenerstattung.

 

Versicherte, die nach beamtenrechtlichen Vorschriften oder Grundsätzen bei Krankheit und Pflege Anspruch auf

Beihilfe oder Heilfürsorge haben, erhalten, wenn sie in der sozialen Pflegeversicherung versichert sind, die jeweils zustehenden Leistungen nur zur Hälfte. Aus diesem Grund wird der zu zahlende Beitrag für sie halbiert. Privat pflegeversicherte Beamte erhalten alle genannten Leistungen entsprechend ihrem Beihilfeanspruch anteilig von ihrer privaten Pflege-Pflichtversicherung.

 

 

Urlaubs-Pflegevertretung

 

Wenn die Pflegeperson, die einen Menschen ambulant pflegt, verreist oder aus anderen Gründen verhindert ist, hat der Pflegebedürftige einen Anspruch auf eine Urlaubsvertretung für bis zu vier Wochen im Jahr. Voraussetzung ist, dass die Pflegeperson den Pflegebedürftigen vor der ersten Inanspruchnahme dieser Leistung schon mindestens sechs Monate in seiner häuslichen Umgebung gepflegt hat. Wird die Urlaubspflege von einer erwerbsmäßig tätigen Person oder einem ambulanten Pflegedienst übernommen, beläuft sich die Leistung auf bis zu 1.470 EUR je Kalenderjahr. Bei Ersatzpflege durch entferntere Verwandte, die nicht mit dem Pflegebedürftigen bis zum2. Grade verwandt oder verschwägert sind und durch Nachbarn können ebenfalls bis zu 1.470 EUR in Anspruch genommen werden.

Wird die Ersatzpflege durch einen nahen Angehörigen nicht erwerbsmäßig sichergestellt, dürfen die Aufwendungen der Pflegekasse den Betrag des Pflegegeldes der festgestellten Pflegestufe nicht überschreiten. Wenn in diesem Fall notwendige Aufwendungen der Pflegeperson (z.B. Fahrkosten oder Verdienstausfall) nachgewiesen werden, kann die Leistung auf bis zu insgesamt 1.470 EUR aufgestockt werden. Insgesamt dürfen die Aufwendungen der Pflegekasse den Betrag von 1.470 Euro jedoch nicht übersteigen.

 

 

 

Die teilstationäre und Kurzzeitpflege

 

Was geschieht, wenn die häusliche Pflege nicht in ausreichendem Umfang sichergestellt werden kann oder eine Ergänzung und Stärkung der häuslichen Pflege erforderlich ist? Dann kann der Pflegebedürftige teilstationär in Einrichtungen der Tages- und Nachtpflege betreut oder – falls auch dies nicht ausreicht – in eine Kurzzeit-Pflegeeinrichtung aufgenommen werden. Dabei unterstützt ihn die Pflegeversicherung: Sie übernimmt zeitlich unbegrenzt die Aufwendungen für Grundpflege, soziale Betreuung und Behandlungspflege in Einrichtungen der Tages- und Nachtpflege – je nach Pflegebedürftigkeit – bis zu 420, 980 bzw. 1.470 EUR monatlich und für die Kurzzeitpflege bis zu 1.470 EUR für insgesamt 4Wochen im Kalenderjahr. Neben dem Anspruch auf Tages- oder Nachtpflege bleibt ein hälftiger Anspruch auf die jeweilige ambulante Pflegesachleistung oder das Pflegegeld erhalten. Wird der Anspruch auf Tages- oder Nachtspflege nur bis zur Hälfte in Anspruch genommen, besteht daneben ein Anspruch auf die volle Pflegesachleistung oder das volle Pflegegeld. Die Kurzzeitpflege ist für pflegebedürftige Kinder unter 18 Jahren auch in Einrichtungen der Hilfe für behinderte Menschen oder anderen geeigneten Einrichtungen möglich.

 

 

Zusätzliche Betreuungsleistung für Pflegebedürftige mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz

 

Versicherte mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz haben, wenn sie zu Hause gepflegt werden, Anspruch auf einen zusätzlichen Betreuungsbetrag bis zu 100 Euromonatlich (Grundbetrag) oder bis zu 200 Euromonatlich (erhöhter Betrag), also bis zu 1.200 bzw. bis zu 2.400 Euro jährlich. Zu dem begünstigten Personenkreis gehören im Wesentlichen altersverwirrte pflegebedürftige Menschen sowie Menschen mit psychischer Erkrankung oder geistiger Behinderung. Auch demenziell erkrankte Menschen mit einem geringeren Pflegebedarf, die noch nicht die Voraussetzungen der Pflegestufe I erfüllen, aber Betreuungsbedarf haben ( so genannte "Pflegestufe 0"), können diese Leistungen erhalten. Zudem kann dieser Personenkreis halbjährlich auch einen Beratungsbesuch in Anspruch nehmen.

Der Beratungsbesuch kann auch von anerkannten Beratungsstellen durchgeführt werden; für die Anerkennung muss keine pflegefachliche Kompetenz nachgewiesen werden.

Der zusätzliche Betreuungsbetrag ist zweckgebunden für im Gesetz genannte qualitätsgesicherte Betreuungsleistungen einzusetzen. Er dient der Erstattung von Aufwendungen, die dem Versicherten entstehen im Zusammenhang mit der Inanspruchnahme von Leistungen der Tages- und Nachtpflege, der Kurzzeitpflege, von zugelassenen Pflegediensten, sofern es sich um besondere Angebote der Pflegedienste zur allgemeinen Anleitung und Betreuung und nicht um Leistungen der Grundpflege und hauswirtschaftlichen Versorgung handelt, oder der nach Landesrecht anerkannten niedrigschwelligen Betreuungsangebote (z. B. Betreuungsgruppen für Demenzkranke, Helferinnenkreise zur stundenweisen Entlastung pflegender Angehöriger im häuslichen Bereich, Tagesbetreuung in Kleingruppen oder Einzelbetreuung durch anerkannte Helfer sowie Familienentlastende Dienste).

 

 

 

Die soziale Sicherung der Pflegepersonen

 

Wer einen Menschen zu Hause pflegt, nimmt große Belastungen auf sich. Häufigmüssen die Pflegenden – in der Mehrzahl sind es Frauen – auf eine eigene Berufstätigkeit ganz oder teilweise verzichten. Deshalb verbessert das Gesetz die soziale Sicherung der Pflegepersonen. Die Pflegenden kommen darüber hinauswährend ihrer Pflegetätigkeit auch in den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

 

Wer einen anderen Menschen pflegt und nicht oder nur bis zu 30 Stunden in der Woche erwerbstätig ist, wird in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert. Die Beiträge übernimmt die Pflegeversicherung. Wie hoch diese Beiträge sind, richtet sich danach, wie schwer die Pflegebedürftigkeit ist und wie viel Zeit die Pflegeperson deshalb für die notwendige Betreuung aufwenden muss. Während eines Erholungsurlaubes der Pflegepersonwerden die Rentenversicherungsbeiträge von der Pflegekasseweitergezahlt.

 

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Wichtig:

Als Pflegeperson gilt jeder, der einen pflegebedürftigen Menschen nicht erwerbsmäßig mindestens 14 Stunden in der Woche in seiner häuslichen Umgebung pflegt.

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Pflegezeit

Der Stärkung der häuslichen Pflege dient auch das Pflegezeitgesetz, dass im Interesse pflegebedürftiger Angehöriger unter besonderer Berücksichtigung der verschiedenen Pflegesituationen und des unterschiedlichen Pflegebedarfs entwickelt wurde.

Die Pflegezeitregelungen basieren auf zwei Säulen, so dass in jeder Pflegesituation die Sicherstellung der Pflege gewährleistet ist:

·          Bei unerwartetem Eintritt einer besonderen Pflegesituation haben Beschäftigte das Recht, bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernzubleiben (kurzzeitige Arbeitsverhinderung). Sie erhalten somit nach Akutereignissen die Möglichkeit, sich über Pflegeleistungsangebote zu informieren und die notwendigen Organisationsschritte einzuleiten. Das Recht, kurzfristig der Arbeit fernzubleiben, soll aber auch dazu beitragen, dass Pflegebedürftige, die nach einem Krankenhausaufenthalt nicht direkt in einer geeigneten Pflegeeinrichtung untergebracht werden können, zunächst kurzfristig von ihren Angehörigen zu Hause versorgt werden können. Das Recht auf kurzzeitige Arbeitsverhinderung haben Beschäftigte unabhängig von der Anzahl der beim Arbeitgeber in der Regel Beschäftigten.

·          Daneben haben Beschäftigte, die in häuslicher Umgebung einen pflegebedürftigen Angehörigen pflegen oder in der letzten Phase des Lebens begleiten wollen, Anspruch auf Freistellung von der Arbeitsleistung für längstens sechs Monate (Pflegezeit).Die Beschäftigten können insoweit zwischen vollständiger und teilweiser Freistellung wählen.

 

Der Anspruch auf Pflegezeit besteht gegenüber Arbeitgebern mit in der Regelmehr als fünfzehn Beschäftigten. Er ist mit dem Recht verbunden, nach Inanspruchnahme der Pflegezeit zu denselben Arbeitsbedingungen zurückzukehren wie vor der Pflegezeit (Sonderkündigungsschutz). Damit werden Menschen, die bereit sind, Angehörige zu pflegen, vor einem unfreiwilligen Berufsausstieg bewahrt. Gleichzeitig wird eine Verschlechterung der beruflichen Entwicklungschancen durch die Möglichkeit der teilweisen Freistellung und durch das Rückkehrrecht in die Vollzeitbeschäftigung vermieden.

 

Während der Pflegezeit ist die notwendige soziale Absicherung gewährleistet. In der  Arbeitslosenversicherung wird die Pflegezeit als Versicherungszeit berücksichtigt und die Pflegeversicherung übernimmt die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung.

In der Kranken- und Pflegeversicherung gewährt die Pflegeversicherung in den Fällen, in denen keine anderweitige Absicherung, insbesondere durch eine Familienversicherung, besteht, einen Beitragszuschuss zur freiwilligen Versicherung. Dieser Zuschuss ist so bemessen, dass er in der Regel den tatsächlich zu zahlenden Beitrag abdeckt. In der Rentenversicherung sind -wie dies bereits vor Einführung der Pflegezeit der Fall war - Zeiten der nicht erwerbsmäßigen häuslichen Pflege Pflichtbeitragszeiten, soweit die häusliche Pflege mindestens 14 Stundenwöchentlich beträgt und der Pflegebedürftige Leistungen aus der Pflegeversicherung erhält. Bei Pflegezeit in Formeiner teilweisen Freistellung darf jedoch nicht mehr als 30 Stundenwöchentlich gearbeitet werden. Auch die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung werden – in Abhängigkeit von der

Pflegestufe und dem Umfang der Pflegetätigkeit – von der Pflegeversicherung übernommen.

 

 

Information

Träger der sozialen Pflegeversicherung sind die Pflegekassen.

Bei jeder Gesetzlichen Krankenkasse ist eine

Pflegekasse errichtet worden.

Wenden Sie sich daher bitte an Ihre Pflegekasse, wenn Sie sich näher informieren oder beraten lassen möchten. Seit 1. Januar 2009 hat jeder Pflegebedürftige einen einklagbaren Rechtsanspruch auf Hilfe und Unterstützung durch  eine Pflegeberaterin oder einen Pflegeberater. Sofern bei Ihnen vor Ort Pflegestützpunkte eingerichtet sind, finden Sie die Pflegeberaterinnen und -berater dort. Sollte es in Ihrer Nähe keinen Pflegestützpunkt als zentrale Anlaufstelle geben, so befinden sich die Pflegeberaterinnen und –berater bei der zuständigen Pflegekasse.

Wer privat pflegeversichert ist, sollte sich mit seinen   Fragen zur Pflegeversicherung an sein Versicherungsunternehmen oder an den Verband der privaten Krankenversicherung e.V., Bayenthalgürtel 26, 50968 Köln, wenden. Die private Pflege- Pflichtversicherung bietet die Pflegeberatung durch das Unternehmen "COMPASS Private Pflegeberatung" an, und

zwar zumeinen durch eine zentrale telefonische

Pflegeberatung (die Nummer lautet: 0 800 101 88 00) und zum anderen durch eine aufsuchende Beratung eines Pflegeberaters, d.h. durch eine Beratung im Haushalt des Pflegebedürftigen, in einer stationären Pflegeeinrichtung, im Krankenhaus oder in einer Rehabilitationseinrichtung.

Im Bundesministerium für Gesundheit können Sie die kostenlosen Broschüren „Pflegeversicherung“,

„Pflegen zuhause“ und „Wenn das Gedächtnis

nachlässt“ bestellen.

 

 

Die stationäre Pflege

 

Wenn eine stationäre Pflege erforderlich ist, zahlt die Pflegeversicherung für die Aufwendungen der Grundpflege, der sozialen Betreuung und der medizinischen Behandlungspflege für Pflegebedürftige der

Stufe I 1.023 EUR, für Pflegebedürftige der Stufe II 1.279 EUR und für Pflegebedürftige der Stufe III 1.470 EUR. Um Härtefälle zu vermeiden, stehen für Schwerstpflegebedürftige ausnahmsweise bis zu 1.750 EUR monatlich zur Verfügung. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung muss der Versicherte –wie bei der häuslichen Pflege auch – selbst tragen.

Der von der Pflegekasse zu übernehmende Betrag darf 75 Prozent des Tatsächlichen Heimentgeltes nicht übersteigen. Der Versicherte muss also mindestens 25 Prozent des Heimentgelts selbst tragen.

 

 

 

Behinderte Menschen in Einrichtungen der

Behindertenhilfe

 

Alle beschriebenen Leistungen stehen auch für jüngere pflegebedürftige Behinderte Menschen in vollem Umfang zur Verfügung. Darüber hinaus beteiligt sich die Pflegeversicherung mit einem pauschalen Zuschuss an den laufenden Kosten von stationären Einrichtungen der

Behindertenhilfe, die keine Pflegeeinrichtungen sind, sondern in erster Linie der Eingliederung des behinderten Menschen dienen.

 

 

 

 

Finanzen

 

Die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung werden durch Beiträge finanziert. Wie hoch die Beiträge sind, hängt von Ihrem Einkommen ab. Dabei gilt die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung.

Das sind in 2009monatlich 3.675 EUR sowohl in den alten als auch in den neuen Bundesländern.

 

Vom 1. Januar 1995 bis 30. Juni 1996 betrug der Beitragssatz in der gesamten Bundesrepublik einheitlich 1 Prozent, vom Inkrafttreten der Leistungen für die Heimpflege ab 1. Juli 1996 bis 30. Juni 2008 betrug der Beitragssatz 1,7 Prozent und seit 1. Juli 2009 1,95 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen.

 

Die Beitragszahlung erfolgt wie in der Gesetzlichen Kranken-versicherung:  Der Arbeitgeber zieht das Geld direkt vom Lohn oder Gehalt ab und überweist es an die Krankenkassen. In allen Bundesländern (außer in Sachsen)wurde zur Kompensation der Belastungen der Arbeitgeber aus den Beiträgen zur Pflegeversicherung der Buß- und Bettag als gesetzlicher Feiertag abgeschafft, deshalb gilt hier der Grundsatz der hälftigen Beitragstragung, das heißt von den 1,95 Prozent tragen der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber jeweils 0,975 Prozent. In Sachsen, wo kein Feiertag gestrichen wurde, trägt der Arbeitnehmer 1,475 Prozent und der Arbeitgeber 0,475 Prozent.

 

Seit 01.04.2004 tragen die Rentner den Beitrag zur sozialen Pflegeversicherung allein, die bisherige hälftige Tragung durch die Rentenversicherung ist entfallen.

 

Wer als Beschäftigter freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, erhält von seinem Arbeitgeber als Beitragszuschuss die Hälfte des Beitrages, den er aus dem Arbeitsentgelt zur sozialen Pflegeversicherung zahlen muss. Einen Beitragszuschuss in gleicher Höhe erhalten auch die Beschäftigten, die in der privaten Pflegeversicherung pflichtversichert sind, jedoch begrenzt auf die Hälfte des Betrages, den der Beschäftigte für seine private Pflegeversicherung zu zahlen hat.

 

Unterhaltsberechtigte Kinder und Ehegatten sind im Rahmen der Familienversicherung beitragsfrei mit versichert, wenn ihr monatliches Gesamteinkommen die Geringfügigkeitsgrenze nicht übersteigt.

Diese Geringfügigkeitsgrenze beläuft sich seit 1. Januar 2009 auf 360 EUR monatlich. Personen, die einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, können bis zu einem Verdienst von 400 EUR monatlich beitragsfrei versichert sein.

 

 

Beim Bundesministerium für Gesundheit ist ein Bürgertelefon eingerichtet. Unter der Rufnummer 01805 9966-03 (0,14 €/Minute aus dem deutschen Festnetz, abweichende Preise aus den Mobilfunknetzen möglich) werden dort von Montag bis Donnerstag in der Zeit von 8.00 bis 18.00 Uhr, Freitag 8.00 bis 12.00 Uhr Fragen zur Pflegeversicherung beantwortet.

Auskünfte zum Bereich des Kranken- und Pflegeversicherungsschutzes im Ausland bzw. bei Auslandsaufenthalt erteilt im Einzelfall die "Deutsche Verbindungsstelle Krankenversicherung/Pflegeversicherung – Ausland (DVKA)", Pennefeldsweg 11-15, 53177 Bonn, Telefon: 0228/9530-0, die seit dem 01.07.2008 eine Abteilung des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen ist.

Bei behinderungsspezifischen Fragen und Anliegen (einschließlich Fragen der Kranken-/Pflegeversicherung) können Sie sich außerdem an die "Gemeinsame Servicestelle der Rehabilitationsträger“ in Ihrer Heimatgemeindewenden.

Im Rahmen der sogenannten "Altenhilfe" Ihrer Stadt bzw. Gemeinde gibt es auch die Möglichkeit der Beratung und Unterstützung. Sie können sich hierzu unmittelbar an Ihre Stadt- oder Kreisverwaltung wenden.

 

 

Bei Beziehern von Arbeitslosengeld oder Unterhaltsgeld übernimmt die Bundesagentur für Arbeit, bei Beziehern von Arbeitslosengeld II die Bundesagentur für Arbeit oder die zugelassenen kommunalen Träger, bei Rehabilitanden der Rehabilitationsträger, bei Behinderten in Einrichtungen der Träger der jeweiligen Einrichtung und bei Empfängern von sonstigen Sozialleistungen zum Lebensunterhalt der zuständige Träger der Sozialhilfe die Beiträge.

 

Weil Kinder die Beitragszahler der Zukunft sind und mit Kindererziehung eine Grundlage für die künftige Funktionsfähigkeit der im Umlage verfahren finanzierten sozialen Pflegeversicherung geschaffen wird, wird Kindererziehung im Beitragsrecht der sozialen Pflegeversicherung seit 1. Januar 2005 besonders berücksichtigt. Kinderlose haben einen Zuschlag in Höhe von 0,25 Prozent zu tragen, d.h. der Beitragssatzanteil, z.B. eines kinderlosen Arbeitnehmers, erhöhte sich von 0,975 auf 1,225 Prozent. Damit wurde der vom Bundesverfassungsgericht geforderte Beitragsabstand zwischen Versicherten mit und ohne Kindern hergestellt. Von der Zuschlagspflicht ausgenommen sind kinderlose Mitglieder, die vor dem Stichtag 1. Januar 1940 geboren sind, sowie Kinder und Jugendliche bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres.

 

Weiterhin ausgenommen sind auch Bezieher von Arbeitslosengeld II sowie Wehr- und Zivildienstleistende. Für

Bezieher von Arbeitslosengeld, Unterhaltsgeld, Kurzarbeitergeld, Ausbildungsgeld, Übergangsgeld und, soweit die Bundesagentur beitragszahlungspflichtig ist, für Bezieher von Berufsausbildungsbeihilfe nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III)werden Beitragszuschläge pauschal in Höhe von 20Mio. EUR pro Jahr von der Bundesagentur für Arbeit an den vom Bundesversicherungsamt verwalteten Ausgleichsfonds der sozialen Pflegeversicherung gezahlt.

Dies dient der Verwaltungsvereinfachung. Das einzelne Mitglied hat keinen Beitragszuschlag zu entrichten. Das Gesetz eröffnet allerdings die Möglichkeit, dass die Bundesagentur für Arbeit mit Zustimmung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hinsichtlich der übernommenen Beträge Rückgriff nehmen kann.

 

 

Private Pflege-Pflichtversicherung

 

Die Prämien zur privaten Pflege-Pflichtversicherung richten sich –wie in der privaten Krankenversicherung – nicht nach dem Einkommen. Sie sind vom Lebensalter beim Eintritt in die Versicherung abhängig. Die Höchstprämie ist

gesetzlich festgelegt. Sie darf nicht höher sein als der Höchstbeitrag in der sozialen Pflegeversicherung. Für Personen, die erst nach dem1. Januar 1995Mitglied eines privaten Krankenversicherungsunternehmenswerden, gilt die Begrenzung auf die Höchstprämie nach einer Vorversicherungszeit von fünf Jahren in der privaten Kranken- oder Pflegeversicherung. Beamte, die im Pflegefall auch Anspruch auf Beihilfeleistungen haben, zahlen nicht mehr als die Hälfte dieses Höchstbetrages.

 

Die Beiträge gelten einheitlich für Männer und Frauen. Für Verheiratete, bei denen nur ein Ehepartner erwerbstätig ist oder ein Ehepartner mit seiner Erwerbstätigkeit die Geringfügigkeitsgrenze nicht überschreitet, darf der Beitrag zur privaten Pflegeversicherung nicht mehr als 150 Prozent des Höchstbeitrages zur sozialen Pflegeversicherung betragen.

Diese Ehegattenermäßigung gilt nicht für Personen, die erst nach Einführung der Pflegeversicherung zum 1. Januar 1995 privat versichert wurden. Kinder sind wie in der sozialen Pflegeversicherung beitragsfrei mitversichert.

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2009)