Das Durchschnittsalter unserer Bevölkerung steigt stetig. Bei der gesetzlichen Rentenversicherung kommen immer weniger Beitragszahler auf immer mehr Rentenempfänger. Um die jüngere Generation nicht zu überfordern, ist es deshalb unausweichlich, dass in Zukunft die Renten weniger stark steigen als bisher. Damit ist zusätzliche Altersvorsorge notwendig, um auch im Alter den gewohnten Lebensstandard aufrechterhalten zu können. Die Alterssicherung wird sich in Zukunft stärker als bisher auf drei Säulen stützen müssen: die gesetzliche Rentenversicherung, die betriebliche Altersversorgung und die private Altersvorsorge. Der Staat hilft beim Aufbau einer zusätzlichen kapitalgedeckten Altersvorsorge mit Zulagen, Steuervorteilen und Beitragsersparnis in der Sozialversicherung.

              I.      Die betriebliche Altersversorgung

 

Die betriebliche Altersversorgung ist klassischerweise eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. Seit Januar 2002 gibt es jedoch eine entscheidende Neuerung. Seither haben Beschäftigte das Recht, einen Teil ihres Lohns oder Gehalts zugunsten einer betrieblichen Altersvorsorge umzuwandeln, um später eine Betriebsrente zu erhalten (Entgeltumwandlung). Der Arbeitgeber muss diesem Wunsch nachkommen. Wie er die Altersvorsorge seiner Arbeitnehmer im Einzelnen organisiert, ist Vereinbarungssache und wird häufig auf betrieblicher Ebene oder in Tarifverträgen festgelegt. Gibt es keine Abmachung, so hat jeder Beschäftigte immer einen „Mindestanspruch“ auf Entgeltumwandlung in eine Direktversicherung (eine besondere Form der Lebensversicherung).

 

Die betriebliche Altersversorgung hat gegenüber der privaten Altersvorsorge einige Vorteile:

·          Sie ist häufig günstiger, weil Abschluss- und Verwaltungskosten auf eine größere Personengruppe verteilt werden können („Mengenrabatt“).

·          Sie ist aus Sicht der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen einfach zu handhaben, weil sie sich nicht um die Auswahl des Anbieters kümmern müssen – dies übernimmt der Arbeitgeber – und ihnen viele Formalitäten erspart bleiben.

·          Die Arbeitgeber beteiligen sich häufig auch finanziell an der betrieblichen Vorsorge ihrer Beschäftigten (das ist in vielen Tarifverträgen so geregelt).

 

 


 

Die staatliche Förderung

 

Der Staat fördert betriebliche Altersversorgung über die Steuer- und Beitragsfreiheit der Aufwendungen. Im Jahr 2010 können so grundsätzlich 4.440 EUR steuerfrei in eine betriebliche Altersversorgung investiert werden. Die umgewandelten Entgeltbestandteile sind darüber hinaus bis zu einer Höhe von 2.640 EUR frei von Sozialabgaben.

 

Außerdem ist grundsätzlich auch bei der betrieblichen Altersversorgung –wie bei der privaten Altersvorsorge – die Riester-Förderung über Zulagen und zusätzlichen Sonderausgabenabzug möglich.

 

 

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Das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales informiert von Montag bis Donnerstag von 8.00 bis 20.00 Uhr über das Thema Rente unter 01805/676710 für 14 Cent/Min. aus dem deutschen Festnetz.

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            II.      Die private Altersvorsorge

 

Seit Anfang 2002 fördert der Staat unter bestimmten Bedingungen den Aufbau einer privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge. Die so genannte Riester-Förderung erfolgt auf zwei Wegen: mit finanziellen Zuschüssen (Zulagen) und Extra-Steuerersparnissen (zusätzlicher Sonderausgaben -abzug). Im Einzelnen gibt es folgende förderfähige Anlagemöglichkeiten:

 

Banksparpläne

Private Rentenversicherungen

Fondssparpläne

 

Banksparpläne eignen sich besonders für ältere Anleger, deren Ansparzeit kürzer ist, und für Menschen mit hohem Sicherheitsbedürfnis. Private Rentenversicherungen eignen sich besonders für jüngere sicherheitsbewusste Anleger.

Fonds mit hohem Aktienanteil sind eher für jüngere risikofreudige Anleger geeignet, weil hier ausreichend Zeit ist,

vorübergehende Kursverluste auszugleichen. Allen Produkten gemeinsam ist aber die Zusicherung des Anbieters, dass mindestens die eingezahlten Beträge (Eigenbeiträge und Zulagen) zu Beginn der Auszahlungsphase zur Verfügung stehen. Nominale Verluste sind somit ausgeschlossen.


Bei der Produktwahl sollten Sie neben Alter und Einstellung zum Risiko außerdem Folgendes berücksichtigen:

·          die Kosten:

Produkte mit Abschlusskosten rechnen sich umso mehr, je länger die Laufzeit ist.

·          die abzusichernden Risiken:

Prüfen Sie, ob Sie auch das Risiko der Erwerbsminderung mit absichern wollen oder ob Sie eine Hinterbliebenenversorgung für Ihren Ehegatten und Ihre Kinder benötigen.

·          die Situation in der Auszahlungsphase:

Die Zusatzrente muss lebenslange Leistungen garantieren. Je nach Anbieter und Produkte können jedoch auch 30% des Kapitals als Einmalzahlung zu Beginn der Auszahlungsphase aus geschüttet werden.

·          die Situation im Erbfall:

Bei Banksparplänen und Fondssparplänen kann das angesparte Kapital bis zum Beginn der Restverrentungsphase (ab 85. Lebensjahr) vererbt werden. Bei einer privaten Rentenversicherung ist dies in der Regel nicht möglich. Sie können aber eine Garantiezeit vereinbaren, in der die Rente mindestens zu zahlen ist. Die staatliche Förderung muss im Erbfall zurückgezahlt werden. Eine Ausnahme besteht jedoch für den überlebenden Ehegatten. Wenn das geerbte Altersvorsorgevermögen auf dessen eigenen Riester-Vertrag übertragen wird, bleibt die Förderung erhalten.

 

 

Die Riester-Förderung erhalten Pflichtmitglieder in der gesetzlichen Rentenversicherung, Pflichtversicherte in der Alterssicherung der Landwirte und Beamte, sowie Empfänger von Amtsbezügen.

Seit Anfang 2008 zählen auch Bezieher von Erwerbsminderungsrenten zum förderberechtigten Personenkreis. Bei Verheirateten genügt es, wenn ein Ehegatte die Voraussetzungen erfüllt; dann erhält auch der andere die Förderung. Einzige Voraussetzung: Jeder Partner schließt einen eigenen Altersvorsorgevertrag ab.

 

 

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Achten Sie darauf, dass das Produkt die Prüfnummer der Zertifizierungsstelle und den Vermerk trägt: „Der Altersvorsorgevertrag ist zertifiziert worden und damit im Rahmen des § 10a des Einkommensteuergesetzes steuerlich förderfähig“. Dies bedeutet, dass das Produkt den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Die Zertifizierung sagt jedoch nichts darüber aus, wie viel Gewinn der Vertrag abwirft. Sie ist also  keine Garantie für eine hohe Rendite.

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Die staatliche Förderung

 

Basis der Förderung der privaten Altersvorsorge ist die Altersvorsorge-zulage, die aus einer Grundzulage pro Förderberechtigtem und ggf. einer Kinderzulage besteht. Bei Abschluss eines eigenen Vorsorgevertrags haben jeweils auch die Ehepartner Anspruch auf die Zulage.

Die Altersvorsorgezulage ist von einem bestimmten Mindesteigenbetrag (Tabelle) abhängig. Wird dieser nicht in voller Höhe erbracht, wird die Zulage gekürzt. Zusätzlich können die Sparbeiträge zugunsten eines Riester-Vertrages als Sonderausgaben bis zu einem Höchstbetrag (s. Tabelle) geltend gemacht und Steuervorteile gewährt werden.

 

Mit dem seit 2005 eingeleiteten Übergang zur nachgelagerten Besteuerung wurden außerdem die steuerlichen

Abzugsmöglichkeiten für Aufwendungen zur Altersvorsorge grundlegend verbessert. Damit wurde besonders für

Selbständige die Möglichkeit eröffnet, staatlich gefördert eine Altersvorsorge aufzubauen (so genannte „Basis-“ oder „Rürup“-Rente).

 

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Nachgelagerte Besteuerung

Nachgelagerte Besteuerung bedeutet, dass Alterseinkünfte erst versteuert werden, wenn sie dem Steuerpflichtigten ausgezahlt werden – im Alter. Dafür bleiben Beiträge zur Altersvorsorge in der Erwerbsphase bis zu einem jährlichen Höchstbetrag unversteuert.

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Mit dem Eigenheimrentengesetz wurde 2008 selbst genutztes Wohneigentum besser in die staatlich geförderte private Altersvorsorge einbezogen. Folgende Fördermöglichkeiten für die Anschaffung von selbstgenutztem Wohneigentum wurden geschaffen:

·          Förderung der Tilgungsleistungen über einen zertifizierten Darlehensvertrag,

·          Entnahme des bereits angesparten geförderten Altersvorsorgekapitals während der Ansparphase unmittelbar für die Anschaffung oder Herstellung von selbst genutztem Wohneigentum,

·          Entnahme des bereits angesparten geförderten Altersvorsorgekapitals zu Beginn der Auszahlungsphase für die Entschuldung von selbstgenutztem Wohneigentum.

 

Die ersten beiden Neuregelungen gelten für eine nach dem 31.12.2007 begonnene wohn-wirtschaftliche Verwendung. Die dritte Variante ist auch auf selbstgenutzte Objekte anwendbar, die vor 2008 angeschafft oder hergestellt wurden.

 

Die verbesserte Entnahmeregelung gilt auch für bereits bestehende Altersvorsorgeverträge.

Allerdings besteht für die Jahre 2008 und 2009 eine Übergangsregelung. Für alle Riester-Verträge, die vor dem 01.01.2008 abgeschlossen worden sind, gilt für diese beiden Jahre die (alte) Mindestentnahmegrenze von 10.000 Euro. Das (entnommene) steuerlich geförderte Kapital wird dann in einer fiktiven Auszahlungsphase besteuert

(nachgelagerte Besteuerung). Hierfür stehen dem Steuerpflichtigen grundsätzlich zwei verschiedene Alternativen zur Verfügung.


1. jährliche Besteuerung über einen Zeitraum von 17-25 Jahren (je nach Beginn der Auszahlungsphase, muss zwischen dem 60. und 68. Lebensjahr liegen)


2. Einmalbesteuerung von 70 Prozent des gesamten in der Immobilie gebundenen geförderten Kapitals.

 


Nähere Informationen finden Sie im Internet unter

http://www.bundesfinanzministerium.de/DE/Buergerinnen__und__Buerger/Alter__und__Vorsorge/Altersvorsorge

 


 

Information

 

Sie sollten immer beides im Blick haben: Die betriebliche Altersversorgung und die private Altersvorsorge. Prüfen Sie, welche Variante in Ihrer persönlichen Situation am günstigsten ist. Die Entgeltumwandlung mit Steuer- und Sozialabgabenfreiheit und das Altersvorsorgesparen mit Riester-Förderung durch Zulagen und zusätzlichen Sonderausgabenabzug können auch gleichzeitig betrieben werden.

 

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Informationen erhalten Sie u.a. über:

www.deutsche-rentenversicherung.de

www.bundesfinanzministerium.de

www.warentest.de

www.vzbv.de

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Ansprechpartner für weitere Informationen ist z.B. Ihr Rentenversicherungsträger. Über betriebliche Angebote informieren Arbeitgeber Betriebsrat oder Gewerkschaft.

 

In der Zeitschrift „FINANZtest“ der Stiftung Warentest werden zahlreiche Angebote miteinander verglichen und Empfehlungen abgegeben. Empfehlenswert ist auch eine unabhängige Beratung durch die Verbraucher zentralen.

 

 

Übersicht über die Riester-Förderung

 

 

 

 

seit 2008

 

Sonderausgabenabzug (neben den Vorsorgeaufwendungen)

 

bis zu 2.100 Euro

 

Grundzulage

154 Euro

 

Kinderzulage je Kind

185 Euro

300 Euro3

 

Mindesteigenbeitrag

4%1 abzügl. Zulagen2

 

Höchstens

2.100 Euro abzügl. Zulagen

 

1 ) vom Vorjahres ein kommen,

2) mindestens aber 60 Euro (Sockelbetrag)

3) für ab dem 01.01.2008 geborene Kinder

 

 

Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2009)